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WASSER ~ Poetisches und Interessantes

Des Menschen Seele gleicht dem Wasser ~ Lauterbrunnen

Auf seiner zweiten Schweiz-Reise September 1779 - Januar 1780 kommt Goethe ins romantische Tal von Lauterbrunnen.

Der berühmte Wasserfall, der Staubbach, der mit nebliger Gischt rund 300 Meter über dunkle, senkrechte Felswände herunterfällt, inspirierte Goethe Anfang Oktober 1779 zum Vergleich der menschlichen Seele mit dem natür-lichen Kreislauf des Wassers und des menschlichen Schicksals mit dem Wind. Damit war der Keim für das berühmte Gedicht gelegt.
 
Gesang der Geister über den Wassern
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muss es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
STAUBBACHFALL
Bild von Adrian Michel GNU-Lizenz 1,2 Wikipedia
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!
Johann Wolfgang von Goethe 1749 - 1832

Der Staubbachfall↓ ist das Wahrzeichen von Lauterbrunnen↓. Durch Goethes Gedicht wurde die Gegend berühmt, sie wird bis heute sehr gerne von Touristen besucht.

Aufgrund der zahlreichen, fast senkrechten Felswände gilt das Lauter-brunnental↓ als Paradies für Base-Jumper↓. So gibt es jährlich etwa 20.000 Sprünge. Unter Base Jumpern bekannt sind Absprungpunkte wie High Nose Ultimate, Nose und La Mousse.

Leider ist auch die Todesrate sehr hoch. 15 % aller tödlichen Base-Jumping-Unfälle weltweit geschahen im Lauterbrunnental. Die bisher 28 Toten (Stand: 16. September 2011) lösten Diskussionen über ein Springverbot aus. (Quelle Wikipedia)


Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

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ALLES FLIESST, NICHTS RUHT

Wir steigen in dieselben Flüsse, und tun es doch nicht.
Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Alles fließt, nichts ruht.
Alles vergeht, nichts dauert.

Kaltes wird warm, Warmes wird kalt.
Feuchtes trocknet, und Trockenes wird feucht.
Durch Krankheit wird Gesundheit schön;
durch das Schlechte wird das Gute gut;
durch Hunger: Sättigung;
durch Mühe: Schlaf.

Lebendig oder tot sein,
schlafend oder wach, jung oder alt – alles ist eins.
Das eine schlägt jeweils ins andere um,
und umgekehrt -
mit einer schnellen, unverhofften Wendung.

Erst werden die Dinge auseinandergesprengt,
dann werden sie wieder zusammengefügt.
Alles kommt zu seiner Zeit.
Heraklit (544 bis 483 v.u.Z.)