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Dienstag

2013 – Das Neue Jahr als Projektionsfläche des - „Was wird sein?“

In der Stille des Neujahrmorgens, die halbe Welt scheint noch im tiefen Schlaf versunken, kann ich durch das geschlossene Fenster nichts als den Flügelschlag einer vorbeifliegenden Elster wahrnehmen.

Aber als ich das Fenster öffne um den neuen Tag, das neue Jahr in meine Behausung einzuladen, sitzen da ganz in der Nähe noch drei, vier erwar-tungsvoll tschilpende Spatzen, wohl in der Hoffnung auf einen kleinen Leckerbissen.

Später, durch das wieder geschlossene Fenster, beobachte ich einen Raben, der auf dem kleinen Vordach landet, schlau und listig wie er ist, denkt er wohl, hier sei etwas zu holen. Als er mich hinter dem Vorhang wahrnimmt, ist er weg, Aufmerksamkeit und Vorsicht sind seine Ratgeber.


Jung und anmutig ist das Neue Jahr. Projektionsfläche des „Was wird sein?“ Karten werden gelegt, Blei wird gegossen, die Sterne werden befragt: „Was wird sein? Was wird es mir bringen, dieses neue, noch so unschuldige Jahr?“

Bringt es etwas in der Zukunft zu schnuppern? Ist die Zukunft wirklich fest-gelegt? Ich bin eine Anhängerin des Prinzips, dass wir einiges (nicht alles), selbst in der Hand haben, wie sich unsere Zukunft gestalten wird.

So eingesetzt, sind mir helfende Kräfte willkommen, die mir den einen oder anderen Tipp geben. Die Entscheidung liegt dann bei mir, ob ich mich darauf einlassen will oder nicht.

Und so habe ich denn einige dieser kleinen Helfer zu Rate gezogen, und in ihrer Sprache haben sie zu mir gesprochen (lächel).


Als erstes meldet sich an diesem stillen Neujahrsmorgen von den Wunder-wesen des Meeres↓ das Wasserkind und sagt: „Deine Fähigkeit Harmonie zu schaffen, steigert deine Effektivität“.

Aha, da brauche ich eine nähere Erläuterung dazu, bin ich der Meinung. Und schon geht es weiter:

„Als Wasserkind weiss ich, dass du in der rauen Welt verletzlich bist, und ich rate dir, stets vorsichtig zu sein, damit du immer sicher dorthin gelangst, wohin du im Leben gehörst. Ich warne dich, dass du möglicherweise in einer Situation bist, wo du einen Menschen durchschauen musst, der lügt, um dich ausnutzen zu können.“ … Oha, na dann! …

Dann meint es noch: „Projekte, auf die du dich konzentrierst, bringen den grossen Lohn, den du dir wünschst.“ … (okay) …

Und schon ist da ein kleiner Engel, der mir zu Vergebung rät. … Na ja, mal sehen …

Und dann klingt es in die Stille hinein ganz klar und bestimmt: „Ein Mensch, dem nicht an jedem Tag eine Stunde gehört, ist kein Mensch.“ Noch so ein Engel↓, lichtvoll und wunderschön, hat sich gemeldet.

Na ja du Schöner, deine Einsicht ist nicht so einfach umzusetzen heutzu-tage, bitte glaube mir.


Da höre ich ein Plätschern, schwimmend meldet sich ein Biber als Krafttier-symbol↓ bei mir und sagt im Ton der inneren Überzeugung: „Geh los und tue es einfach!“ … Einfach! Wie ist das wohl gemeint? …

Und schon erklärt mir der fleissige Biber einige Details seines Rates: „Was auch immer du vorhast: Geh es an! Du meinst vielleicht, dass du noch dies oder jenes tun musst, um dich vorzubereiten. Doch wenn du weiter planst und organisierst, wirst du nie dazu kommen.

Und weiter: „Ausserdem verfügst du über viel mehr Unterstützung, als du glaubst. Du hast anderen viel geholfen – auch wenn du deinen Beitrag zu ihrem Leben gerne herunterspielst – jetzt ist es an der Zeit, dir von ihnen helfen zu lassen. Atme also tief durch und dann mach dich an die Arbeit!"
Der Rat ist nicht schlecht, dankeschön!

Und weiter geht es, die Pflanzenwelt hat auch noch etwas beizutragen. Das Tausendgüldenkraut↓ rät zu Durchsetzungskraft und Abgrenzung bei über-triebener Gutmütigkeit und Nachgiebigkeit.


Es beteuert: Es könne die Kraft zur Selbstbehauptung↓ in einem Menschen stärken. Damit lasse sich eine oder einer nicht mehr so viel bevormunden, ausnützen, überfahren, über den Tisch ziehen, verplanen oder beherrschen, sondern er oder sie könne dann deutlicher zeigen oder aussagen, was er oder sie will oder nicht will.

Hach, das ist ja mal was Deutliches. Tatsache ist, dieses bittere Kraut be-gleitet mich nun schon beinahe das ganze Jahr, und anscheinend will es immer noch nicht von mir lassen. Schon gut, ich habe es kapiert, die Um-setzung erfolgt Schritt für Schritt, versprochen!

Dann ist es eine Weile ganz still. Versunken betrachte ich all die Gedanken-bilder, die in mir aufgestiegen sind. Und ich kann nur staunen über die sinn-volle Lebenshilfe, die da an mich herangetragen wird.

Da höre ich das tok, tok, tok eines Stockes, der auf den Boden aufschlägt. In der Ferne sehe ich einen alten Mann mit langem Bart und wallenden weissen Haaren, der sich auf einen Stock gestützt mir nähert. Ein Philosoph, wie aus einem uralten chinesischen Gemälde entstiegen.

Er bleibt vor mir stehen und sagt: „Eines darfst du nicht vergessen!“ Und über Stichomantie↓ in einem Buch über das Tao↓ fliessen seine Worte nicht nur in meine Ohren, sondern auch in mein Herz:
„Wer sich selbst für friedfertig hält, aber ständig in Händel gerät, muss wohl unbemerkt aggressiven Gedanken nachhängen. Es besteht zwar für den Gesetzgeber ein grosser Unterschied zwischen bösen Gedanken und bösen Handlungen, aber in Wirklichkeit zieht das eine früher oder später das andere nach sich. Also beginnt die Kontrolle im eigenen Herzen.“

Da kann ich nur zustimmen, bitte ihn aber dennoch um nähere Erklärung, die er wie ein Blumenteppich vor mir ausbreitet:

„Wir büssen mit dem Verlust der Lebensinstinkte viel Selbstgewissheit ein. In einer Gefahrensituation ist rationale Analyse zu langsam. Ein Tier wittert einfach, was in dem Wesen gegenüber vor sich geht.

Hunde testen gern ihr Umfeld: Wer zeigt Zeichen von Angst auf mein wüten-des Gebell hin? Zurückkeifen stachelt einen aggressiven Hund nur auf. Die richtige Reaktion ist achtsames Ignorieren.“

Ein kluger Rat, den ich immer wieder von neuem schätzen und beachten möchte.

Zuallerletzt meldet sich noch die Stimme einer weisen Frau, die mit dem Wind wispert und singt: „Denk daran: Innerer Friede wirkt sich auch positiv auf deine körperliche Gesundheit aus.“

Okay, das war’s dann mit meinem Ausblick ins Neue Jahr, und wie ich gese-hen und gehört habe, hängt einiges von mir und meinem Verhalten ab, wie es sich gestalten wird. Vielleicht habt ihr ja zum Jahresende auch versucht etwas in der Zukunft zu schnuppern?


Ein interessanter und aufrechter Mann, Tiziano Terzani↓, den ich kürzlich über einen Film↓ und über zwei seiner Bücher kennen lernen durfte, sagte in seinem letzten Interview↓ (leider nur auf Italienisch):

„Denk mal an eine Sache, über die wir nie nachdenken, wir, die wir hinter dem Vergnügen herjagen. Es gibt kein Vergnügen ohne Leiden. Und kein Leiden ohne Vergnügen. Wenn du das kapierst, geniesst du das Vergnügen und akzeptierst das Leiden.“

In diesem Sinn wünsche ich allen, die hier vorbeischauen
(und bis hierher gelesen haben-;)
von Herzen alles Gute im Neuen Jahr!