.

.

Donnerstag

Zwischenhalt im Altweibersommerlicht ~ Soll ich bleiben? Soll ich gehen?

Zwischen den Jahreszeiten, nicht Sommer, nicht Herbst scheint das Alt-weibersommerlicht. Mild und gütig leuchtend verzaubert es die Natur. An solchen Tagen zieht es mich hinaus und sei es gerade mal zu einem kleinen Spaziergang im Park oder an der Seepromenade.

Der Belvoirpark↓ ist in jeder Jahreszeit eine lebendige Oase in der Stadt. Kein Frühling↓ oder Herbst vergeht, ohne dass ich ihn nicht wenigstens einmal besuche. So auch kürzlich am späten Nachmittag.


Reifen bedeutet die andere Seite der Dinge zu entdecken.


Im angenehm wärmenden Sonnenlicht sitzen, in die Ruhe des Parks hinein-hören, die Fische im Teich bestaunen, ein Lächeln huscht hin zum Vorüber-gehenden und kommt wieder zurück.

Schlussendlich noch die Abendzeitung lesen, hach sind das erquickende Momente.


Gegen das Alter anzukämpfen, heisst zu altern ohne zu reifen.


Dann zurück ins Stadtinnere am linken Seeufer entlang. Im Yachthafen wiegen sich die Segelmasten im Wind. Leise scheppernd singen sie ein zartes Lied, Wortlaute in fremden Sprachen indisch? chinesisch? vermischen sich damit.


Der Mensch besieht sein Spiegelbild
nicht im fließenden Wasser, sondern im stillen Wasser.
Dschuang Dsi


Auch Gottfried Keller↓, damals Staatschreiber und Dichter, ist anwesend. Als Steinbüste schaut er auf das bunte und ihm fremde Treiben, das Frühling, Sommer, Herbst und Winter an ihm vorüber fliesst. Jemand hat sich seiner erbarmt und seine Stirne farbig geschmückt. Ob es ihm wohl gefallen hätte?


Von 1861 bis 1876 bekleidete er das Amt des Staatschreibers der Republik Zürich. Seine bekanntesten Werke sind der Roman Der grüne Heinrich und der Novellenzyklus Die Leute von Seldwyla (Kleider machen Leute).

Keller gilt als Meister der Novellendichtung und als einer der bedeu-tendsten Erzähler des bürgerlichen Realismus.(Quelle Wikipedia)

Am fließenden Wasser
Hell im Silberlichte flimmernd
Zieht und singt des Baches Welle,
Goldengrün und tiefblau schimmernd
Küsst sie flüchtig die Libelle;

Und ein drittes kommt dazu,
Eine Blüte hergeschwommen:
Alle haben drauf im Nu
Heitern Abschied schon genommen.

Und die Esche beugt sich drüber,
Schaut in Ruh das holde Treiben,
Denkt: Ihr Lieben, zieht vorüber,
Ich will grünen hier und bleiben!

Und ich unterm Eschenbaum:
Was soll denn mit mir geschehen
In dem reizend leichten Traum?
Soll ich bleiben? Soll ich gehen?
Gottfried Keller 1819 – 1890
 

Soll ich bleiben? Soll ich gehen? Ob sich diese Fragen auch der Sommer stellt, wenn übermorgen der Herbst Einlass begehrend an die Türe klopft?

Bleibe noch ein wenig, rufen ihm viele Stimmen zu, ja bleibe noch ein wenig echoe ich dazu, bleibe noch … bleibe …


Der Altweibersommer, auch gerne als die fünfte Jahreszeit bezeichnet, wird auch "der Sommer auf den Verlass ist " genannt. Nach einem eher kühlen und regenreichen Sommer vermag er uns wieder versöhnlich zu stimmen und präsentiert uns die Natur von der schönsten Seite.

Diese Farbenpracht, das herrliche Licht und überall diese silbernen Spinnenfäden, am morgen Tau behangen, glitzern sie wie kostbare Perlenketten. Für viele Menschen die schönste Zeit im Jahr. (Quelle↓)

Herzlich Willkommen fünfte Jahreszeit!

Zitate von: zitate-aphorismen.de