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Sonntag

Hinter Gittern ~ Bild der Woche

Nein, hinter Gittern war ich nie. Ich schätze mich glücklich in einer Zeit-epoche und in einem Land zu leben, wo ich mich frei äussern kann.

Egal welche Weltanschauung ich zelebriere, ob politisch links, rechts oder in der Mitte, ob dieser oder jener Religion angehörend, der Esoterik anhängend oder atheistisch, oder sonst irgendwie der Normvorstellung der Mehrheit nicht entsprechend, nein, deswegen komme ich hier nicht hinter Gitter.


Die Angst, wegen oben genannten Gründen morgens in der Früh von der Polizei aus dem Bett gezerrt zu werden und auf Nimmerwiedersehen in einem düsteren Gefängnis zu verschwinden, ist ein Gefühl, das ich nicht kenne.

Doch viele Menschen weltweit haben diesen Horror erlebt, in der Vergangen-heit – und auch in der Gegenwart, immer noch und immer wieder!

Folgende Worte von einer Frau, die aus weltanschaulichen und politischen Gründen inhaftiert war, habe ich im Internet gelesen und sie berühren mich sehr. Sie haben etwas in mir zum Klingen gebracht. Eine Erinnerung aus dem kollektiven Unbewussten, eine Seelenverwandte der Traumvergangenheit?


Da liege ich still allein, gewickelt in diese vielfachen schwarzen Tücher der Finsternis, Langeweile, Unfreiheit, des Winters – und dabei klopft mein Herz von einer unbegreiflichen, unbekannten inneren Freude, wie wenn ich im strahlenden Sonnenschein über eine blühende Wiese gehen würde.

Und ich lächle im Dunkeln dem Leben, wie wenn ich irgendein zauberhaftes Geheimnis wüsste, das alles Böse und Traurige Lügen straft und in lauter Helligkeit und Glück wandelt. Und dabei suche ich selbst nach einem Grund zu dieser Freude, finde nichts und muss wieder lächeln über mich selbst.

Ich glaube, das Geheimnis ist nichts anderes, als das Leben selbst; die tiefe nächtliche Finsternis ist so schön und weich wie Sammet, wenn man nur richtig schaut. Und in dem Knirschen des feuchten Sandes unter den lang-samen schweren Schritten der Schildwache singt auch ein kleines schönes Lied vom Leben -- wenn man nur richtig zu hören weiß… den ganzen Brief lesen - HIER↓ auf Seite 21

Rosa Luxemburg (1871 – 1919) hat diesen Brief im Dezember 1917 aus dem Gefängnis geschrieben. Ihre politische Einstellung und ihre antimilitaristische Gesinnung wurden ihr zum Verhängnis in einer turbulenten und kriegstreiberischen Zeit. Im Jahr 1919 wurde sie aus diesem Grund feige ermordet.

Drei Jahre und vier Monate hat Rosa Luxemburg während des Krieges im Gefängnis verbracht, ein Jahr (vom Februar 1915 bis Februar 1916) im Berliner Weibergefängnis (Barnimstraße) für eine in Frankfurt a. M. gehaltene Rede über die Soldatenmisshandlungen, dann zwei Jahre und vier Monate (vom 10. Juli 1916 bis zum 10. November 1918) in »Schutzhaft« in Berlin, Wronke und Breslau.

Sie war ganz von der Außenwelt abgeschnitten, nur Bücher und Briefe, die strenge Zensur passiert hatten, durften sie erreichen. Einmal im Monat war Besuch unter strenger Aufsicht gestattet.
 

Die Gitter auf den Bildern hingegen sind eher als Schutz vor Einbrechern ge-dacht, es ist der Ausblick aus der Waschküche, wo ich wohne. Keine Gitter hinter denen Gefangene eingeschlossen sind, nein!

Im Moment bin ich auf einem historischen Bildungstrip. In der Bibliothek habe ich viele interessante DVDs entdeckt mit erhellenden Berichten über vergangenes Zeitgeschehen. Diese Dokumentarfilme inspirieren mich sehr zum Nachdenken über das Geschick der Menschen im Einzelnen und gesamt-haft als Menschheit.

Die Verbindung, die sich von der Vergangenheit zu uns in die Gegenwart knüpfen lässt, zeigt dem Forschenden: Alles, was heute geschieht, gründet irgendwo in der Vergangenheit, auch wenn uns das Wissen darüber verloren gegangen ist oder es uns einfach nicht interessiert.

Wie viele Menschen weltweit, Männer wie Frauen, haben wohl in der Vergan-genheit oben genannte Angst ausgestanden, haben gekämpft für Freiheit und Menschlichkeit, offen oder verborgen, nur wenige sind uns bekannt.


An einem ein wunderschöner Frühlingstag ist eine gute Gelegenheit in Ge-danken diese Ahninnen und Ahnen in unsere Arme zu nehmen und sie ein wenig an unserer Freude teilnehmen zu lassen:)))