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Dienstag

Herrenbastion, Frühlingsfest und das Fest nach dem Fest

Die Sonne sagte NEIN und liess am zweitägigen Zürcher Frühlingsfest dem Sechseläuten↓ am Sonntag erst die Kinder und am Montag die Zunftherren in der Kälte stehen gehen.


Die Frauen der Gesellschaft zu Fraumünster↓, welche 1989 gegründet wurde und die einen historischen Background hat↓, wurden von den Zunftherren erneut dazu verdonnert ausserhalb des Sechseläutens-Umzuges zu gehen, als kleines Züglein 45 Minuten vor dem Hauptzug.

Letztes Jahr durften die Frauen erstmals im Umzug mitgehen und viele dach-ten: Endlich! Doch im Herbst hätten dann die Herren intern beschlossen die Frauen definitiv vom Hauptzug auszuschliessen. Wenn das nicht selbstherrlich und arrogant ist!

Tagesschau vom 31.03.2012

Könnte es sein, dass es ein gerichtliches Verfahren braucht um den Herren klarzumachen, dass es nicht mehr angeht Frauen von Veranstaltungen auf öffentlichem Grund und Boden einfach so auszuschliessen?

In der Onlinepresse gestern Abend war zu lesen↓, ich zitiere:
Zum Zug der Zünfte nicht geladen waren die Damen der Gesellschaft zu Fraumünster. Wie seit Jahren üblich, mussten sie 45 Minuten vor dem offiziellen Start die Umzugsroute unter die Füsse nehmen. Offenbar bummelten die Frauen so lange, dass sie vom Zug der Zünfte ein- und überholt wurden.

Jedenfalls tauchten sie überraschend zwischen der Eröffnungsgruppe und dem Gastkanton Bern auf. Ehrengast bei der Gesellschaft zu Fraumünster war Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf. Rot gekleidet und gut gelaunt nahm sie zahlreiche Blumensträusse entgegen.

Bravo ihr Frauen, gut gemacht! Oder war es etwa anders herum, haben die Herren buchstäblich und im übertragenen Sinn kalte Füsse bekommen und sind deshalb zu schnell gegangen?


Das wirkliche Frühlingsfest für nicht wenige Zürcherinnen und Zürcher, auch für mich, findet sowieso am Sonntag statt, wenn die Kinder, Knaben wie Mädchen, egal von welchem gesellschaftlichen Hintergrund, sich in ihren hi-storischen Kostümen dem Publikum am Strassenrand  präsentieren.

In mit Blumen geschmückten Pferdewagen oder zu Fuss winken sie den Menschen strahlend und anmutig zu. Sie werfen den vielen kleinen Zu-schauern freigebig Süssigkeiten zu oder geben etwas von ihrem Blumen-schmuck ab. Sie bringen den Frühling und neues Leben in die Stadt. Dieses Jahr feierte der Kinderumzug schon das 150. Jubiläum.


Die Bilder der Collage sind nicht von diesem Jahr, am Sonntag konnte ich nicht dabei sein, ich hatte etwas anderes vor.

Doch dieses Jahr entdeckte ich am Sechseläuten-Montag erstmals das Fest nach dem Fest. Wenn sich der Schneemann mit lautem Knallen verabschiedet hat, die um ihn herumgaloppierenden Reiterhorden verschwunden sind und nur noch das reine Feuer lodert, … dann hat die Stunde der unverwüstlichen Grillfans geschlagen.


Ein Polizist bewacht das Feuer


Sobald das Feuer von der Polizei freigegeben wird, installieren einige der Wartenden ihre mitgebrachten Grillherde, holen mit einer Schaufel an langem Stiel Glut aus dem Feuer und braten ihre mitgebrachten Würste. Das Fest nach dem Fest kann beginnen.


heiss - HEISS - heiss - HEISS - heiss und nochmals HEISS


Diejenigen ohne Grillherd müssen ausharren bis sich das Feuer ganz gelegt hat, um dann die mitgebrachten Würste an langen Stecken direkt über der Glut zu braten. Aber das dauert eine Weile bis das möglich wird, denn die Hitze am Holzstoss-Überrest ist enorm.


So lange wollten wir uns nicht gedulden, und verköstigten uns stattdessen mit einem leckeren Käse-Raclette und Pellkartoffeln vom Stand in der Nähe.

12 Minuten und 8 Sekunden hat der rund 3,40 Meter grosse und 80 Kilo schwere Schneemann, genannt Böögg (Bilder dazu↓) dieses Jahr den Flammen getrotzt, dann explodierte das Haupt des Wintersymbols mit einem lauten Knall.

Traditionell bedeutet dies für Zürich: Frühlingsbeginn und voraussichtlich einen passablen Sommer in der Region. Je schneller der Kopf des Böögs explodiert, je schöner der Sommer.


Wie auch immer, der Herr Winter zeigte sich von dem ganzen Brimborium nicht sonderlich beeindruckt, erstens weiss er, dass er wieder kommen wird. Und zweitens verdeutlichte er uns ganz klar, wer im Moment immer noch das Sagen hat: Ich musste meine Winterschuhe nochmals vom Dachboden holen.


Wenigstens in meinem Wohnzimmer strahlt die Sonne jeden Tag, ob im Frühling, Sommer Herbst oder Winter-:)))