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Sonntag

Neugierige Frage: Land oder Stadt? ~ Von Menschen und Füchsen

Seit 40 Jahren lebe ich nun ununterbrochen hier in der Stadt. Da bin ich wohl ein Stadtmensch, obwohl ich mich manchmal nach der Stille einer ländlichen Winteridylle sehne, tiefer Schnee, der alles Laute verschluckt. Labsal pur, so stelle ich mir das vor.

Allerdings habe ich das Glück nicht eingequetscht von grossen Wohnblocks in einer eher ruhigen Seitenstrasse zu wohnen. In einer Viertelstunde bin ich im Wald, und in zwanzig Minuten am See.

Und da ich in der obersten Etage logiere, habe ich auch täglich Kontakt zum Himmelsgeschehen, als Sternen- und Mondguckerin, oder Bewunderin des Lichts der auf- und untergehenden Sonne.

Ein Mittelweg zwischen Anonymität und der Möglichkeit am Stadtleben teil-zunehmen ist ideal für mich. Rückzug ist mir lebensnotwendig. Ich hatte nie den Drang aufs Land zu ziehen, möglicherweise wäre ich mir dort fremd und deplaziert vorgekommen.


Ich schätze die Vielfalt der Menschen, die in unserer Stadt leben, im Moment gesamthaft aus 166 Nationen. Die Stadt↓ ist wie ein Schmelztiegel, die Bewohner nehmen etwas von unserer Kultur auf und geben etwas von ihrer ab, zu unserer und ihrer Bereicherung.

Ende 2011 wurden 390'082 Einwohner gezählt, der Ausländeranteil ist 31%. Die grösste ausländische Gruppe bilden im Moment die Deutschen, 2003 lösten sie die Italienerinnen und Italiener als meistvertretene ausländische Nation ab. HIER↓

Natürlich gibt es immer wieder mal Konflikte im Zusammenleben und auch Kriminalität. Letzteres musste ich in all den Jahren nie am eigenen Leib erfahren, abgesehen von zwei, drei kleineren Diebstählen.

Allerdings ist nun ein Punkt erreicht, wo eine weitere Zuwanderung kritisch wird, finde ich. (Siehe mein Beitrag über die Ausbeutung gewisser Wohnungs-vermieter HIER↓)


Was mich hin und wieder etwas nervt, ist der Lärm, der in den letzten Jah-ren merklich zugenommen hat.

Sei es, das in der nahen Umgebung bis in alle Nacht gegrillt und lauteste Gespräche geführt werden (sofern es draussen warm ist) oder der Baulärm, der vielerorts deutlich präsent ist. Gut zwei Jahre hatten wir in allernächster Nachbarschaft unter letzterem zu leiden.

Bis jetzt gelang es mir, mich auf die eine oder andere Weise damit zu arran-gieren. Mein Vorteil ist, dass ich pensioniert bin, und deshalb nicht mehr so abhängig von regelmässigen Schlafenszeiten. Das erleichtert das Ertragen so mancher Lärmsituation.

Ich fühle mich gut aufgehoben in der Stadt mit ihren Stadtmenschen und der Natur, die auch hier noch vielfach zu finden ist.

Zum Wohlgefühl tragen auch die zahlreichen städtischen Einrichtungen bei, wie all die wunderschönen Stadtparks↓, die Seepromenade und der Uetliberg, unser Hausberg (ein früherer Beitrag von mir zum Uetliberg HIER↓).

Allerdings in so einer Riesenstadt wie New York möchte ich dann doch nicht leben.


Kürzlich war ich an einem Vortrag über Wildtiere in unserer Stadt. Ein Wild-hüter informierte die zahlreich erschienen Städterinnen und Städter über das „wilde“ Leben tag und nachts von all den Nahrung und Wohnraum suchen-den pelzigen und geflügelten Mitbewohnern in unseren Stadtquartieren. HIER↓

Ob ihr es glaubt oder nicht etwa 1200 Füchse wohnen und verköstigen sich hier, sie haben ihre Verstecke in Parks und auf Friedhöfen oder hin und wieder mal in einem Hinterhof. Auch in unserem kleinen Garten hinter dem Haus, wurde schon eine rote Pelznase gesichtet.

Das Gebot der Stunde ist: Den Fuchs nicht zu füttern, zum Besten des Tieres und von uns.


Eine kuriose Geschichte wusste der Wildhüter zu erzählen. Da fütterte eine ältere Frau so einen Fuchs täglich, so dass er all seine Menschenscheu verlor und sich sogar in ihre Wohnung hinein wagte. Einmal vergass sie die Schlaf-zimmertüre zu schliessen und flugs rollte sich das Füchslein auf ihrem Bett zusammen um ein kleines Nickerchen zu tätigen.

Nun bekam es die Frau mit der Angst zu tun und rief den Wildhüter, der vertrieb den Fuchs zusammen mit einem Kollegen. Sie klärten die Frau an-schliessend auf, dass Füchse, die die Scheu vor den Menschen verlieren, erlegt werden müssen. HIER↓ mehr zu unseren Stadtfüchsen.

Die letzten Jahre meines Lebens werde ich kaum noch von „meiner“ Stadt wegziehen, und ganz bestimmt nicht aufs Land. Na gut, sag nie NIE! *zwinker*

Dies ist meine lange Antwort am Sonntag auf die neugierige Frage am Donnerstag, dem Projekt von Kerstin:

STADTMENSCH ODER LANDMAUS?? Wozu zählt ihr? Wo fühlt ihr Euch am wohlsten? HIER zum Projekt↓

Habt eine gute Woche!

Bildquellen
Alle Bilder sind von mir ausgenommen