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Sonntag, 27. November 2011

November ~ GIER-Virus ~ Ginkgobaum

Na ja die Muse hat mich nicht geküsst, deshalb war es hier etwas still. Nun denn, auch ohne Kuss ist es mir endlich wieder einmal gelungen einen Blog-beitrag zu kreieren.


Der November neigt sich seinem Ende zu, es soll seit 150 Jahren der wärmste und trockenste elfte Monat gewesen sein. Die höheren Regionen in der Schweiz sehnen sich nach Schnee, und fürchten schon um ihre Winter-Touris-mus-Existenz. Keine Angst, der Muototaler Wetterschmöcker (HIER) hat für den 10. Dezember Winterliches vorausgesagt, und seine Nase muss es ja wissen-;)

Der Wetterprohet im Ameisenhaufen: In urchigem Schwyzerdütsch erklärt er den Zusammenhang zwischen Ameisen und Wetter-;)


Mir hat dieser behagliche November sehr geholfen, dass ich nun auch einmal melden kann, ich bin bereit für den Winter. Jetzt darf es von mir aus kalt werden, stürmen, schneien, Eis regnen, ich bin für alles gewappnet, innerlich und  auch äusserlich – hoffentlich!


Die Blätter fallen...
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke 1875-1926


Und ganz grau wird es hier sowieso nie, denn längst haben die Farben die Hausfassaden erobert. Ich kann mich erinnern, wie vor X-Jahren, als in einer Reihe von weiss bis beige gehaltenen Häusern sich eines unverhofft in einem knalligen Blau präsentierte, welche Reaktionen das auslöste *lach*.

In der Quartierzeitung schrieb ein Kritiker, die Farbe sei nun doch etwas gewagt, hätte es denn nicht, wenn schon blau, ein helleres Blau sein können. Ich wäre sofort in dieses blaue Haus eingezogen, aber alle Wohnungen waren schon vermietet.


Apropos Wohnungen; es scheint einige Wohnungsvermieter hier in der Stadt haben sich mit dem GIER-Virus angesteckt. Da tut sich Schändliches; wie ich schon von verschiedenen Seiten vernommen habe.

Also da wird eine Wohnung mündlich zugesagt, dann bekommt der zukünf-tige Mieter nachträglich einen Telefonanruf mit der Aufforderung, mehr Miete zu zahlen als abgemacht war, sonst bekomme er die Wohnung doch nicht wie versprochen. Einmal ging es um zusätzliche Fr. 200.--, ein anderes Mal um sage und schreibe zusätzliche Fr. 600.--! Wahnsinn!!!


Natürlich ist das ungesetzlich, und könnte mit Erfolg gerichtlich angefochten werden, aber wo kein Kläger, ist kein Richter. Und da der Kündigungsschutz bei Mietverträgen eher minimal ist, wird sich ein so getäuschter Mieter, wenn er denn die Wohnung nimmt, gut überlegen, ob er sich wehren will.

So werden die Mietpreise in die Höhe gejagt, so dass bald nur noch die mehr als gut Verdienenden sich hier eine Wohnung leisten können. Familien und weniger gut Gestellte, vor allem auch ältere Menschen, werden auf diese Weise aus den Quartieren verdrängt.


Eine Volksinitiative (HIER↓) will diesem Trend mit gemeinnützigem Woh-nungsbau entgegenwirken. Heute haben wir über ein entsprechendes Gesetz abgestimmt, und es wurde angenommen, obwohl die ominöse „Volkspartei“ und die Partei der Millionäre dagegen opponierten.

Glücklicherweise haben der Stadtrat und andere Parteien eine Annahme der Initiative empfohlen. Die Quartiere bleiben so durchmischt, nicht nur Gutver-dienende und Zweitwohnungsbesitzer sollen hier leben dürfen, sondern es soll bezahlbare Wohnungen auch für einfache Menschen geben. Gut so!

So ab Mitte Oktober lag ich auf der Lauer, denn endlich wollte ich einmal die Ginkgobäume im Park Platzspitz↓ hinter dem Hauptbahnhof in ihrer herbstlich gelben Pracht erleben. Doch gegen Ende Oktober zeigten sie sich immer noch in grün, keine Spur von gelb.


Na ja, dann schaute ich eine Weile nicht hin und schon war es beinahe zu spät. Und als ich kürzlich dort eintraf, erst nach 16.00 Uhr, auch schon recht düster zum fotografieren.


Vom Ginkgo erzählt man folgende Geschichte:
Als auf Hiroschima die Atombombe niederging und im Umfeld alles zerstör-te, waren darunter auch zwei Ginkgobäume, die einer Nadel gleich, schwarz verkohlt gegen den Himmel ragten.
Diese verkohlten Bäume trieben als einzige im nächsten Frühjahr neue Zwei-ge aus. Dies deutet auf die große Widerstandskraft des Ginkgo Biloba hin. Die zwei Bäume werden heute noch als Naturdenkmal bestaunt.
Mehr Interessantes über den Ginkgobaum HIER↓

Folgendes Gedicht hat Johann Wolfgang von Goethe für seine späte Liebe Marianne von Willemer geschrieben. Das Ginkgoblatt wird darin als Sinnbild für Liebe und Freundschaft beschrieben.


Ginkgo Biloba
Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin?
Johann Wolfgang von Goethe 1749 – 1832

Der Herbstbilder wegen verlinke ich den Beitrag in Katinkas Projekt „Schöne Momente im Herbst/Winter“ – HIER↓

Bildquelle Ginkgo-Gedicht Wikipedia public domain