Der November neigt sich seinem Ende zu, es soll seit 150 Jahren der wärmste und trockenste elfte Monat gewesen sein. Die höheren Regionen in der Schweiz sehnen sich nach Schnee, und fürchten schon um ihre Winter-Touris-mus-Existenz. Keine Angst, der Muototaler Wetterschmöcker (HIER↓) hat für den 10. Dezember Winterliches vorausgesagt, und seine Nase muss es ja wissen-;)
Der Wetterprohet im Ameisenhaufen: In urchigem Schwyzerdütsch erklärt er den Zusammenhang zwischen Ameisen und Wetter-;)
Mir hat dieser behagliche November sehr geholfen, dass ich nun auch einmal melden kann, ich bin bereit für den Winter. Jetzt darf es von mir aus kalt werden, stürmen, schneien, Eis regnen, ich bin für alles gewappnet, innerlich und auch äusserlich – hoffentlich!
Die Blätter fallen...
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Und ganz grau wird es hier sowieso nie, denn längst haben die Farben die Hausfassaden erobert. Ich kann mich erinnern, wie vor X-Jahren, als in einer Reihe von weiss bis beige gehaltenen Häusern sich eines unverhofft in einem knalligen Blau präsentierte, welche Reaktionen das auslöste *lach*.
In der Quartierzeitung schrieb ein Kritiker, die Farbe sei nun doch etwas gewagt, hätte es denn nicht, wenn schon blau, ein helleres Blau sein können. Ich wäre sofort in dieses blaue Haus eingezogen, aber alle Wohnungen waren schon vermietet.
Apropos Wohnungen; es scheint einige Wohnungsvermieter hier in der Stadt haben sich mit dem GIER-Virus angesteckt. Da tut sich Schändliches; wie ich schon von verschiedenen Seiten vernommen habe.
Also da wird eine Wohnung mündlich zugesagt, dann bekommt der zukünf-tige Mieter nachträglich einen Telefonanruf mit der Aufforderung, mehr Miete zu zahlen als abgemacht war, sonst bekomme er die Wohnung doch nicht wie versprochen. Einmal ging es um zusätzliche Fr. 200.--, ein anderes Mal um sage und schreibe zusätzliche Fr. 600.--! Wahnsinn!!!
Natürlich ist das ungesetzlich, und könnte mit Erfolg gerichtlich angefochten werden, aber wo kein Kläger, ist kein Richter. Und da der Kündigungsschutz bei Mietverträgen eher minimal ist, wird sich ein so getäuschter Mieter, wenn er denn die Wohnung nimmt, gut überlegen, ob er sich wehren will.
So werden die Mietpreise in die Höhe gejagt, so dass bald nur noch die mehr als gut Verdienenden sich hier eine Wohnung leisten können. Familien und weniger gut Gestellte, vor allem auch ältere Menschen, werden auf diese Weise aus den Quartieren verdrängt.
Eine Volksinitiative (HIER↓) will diesem Trend mit gemeinnützigem Woh-nungsbau entgegenwirken. Heute haben wir über ein entsprechendes Gesetz abgestimmt, und es wurde angenommen, obwohl die ominöse „Volkspartei“ und die Partei der Millionäre dagegen opponierten.
Glücklicherweise haben der Stadtrat und andere Parteien eine Annahme der Initiative empfohlen. Die Quartiere bleiben so durchmischt, nicht nur Gutver-dienende und Zweitwohnungsbesitzer sollen hier leben dürfen, sondern es soll bezahlbare Wohnungen auch für einfache Menschen geben. Gut so!
So ab Mitte Oktober lag ich auf der Lauer, denn endlich wollte ich einmal die Ginkgobäume im Park Platzspitz↓ hinter dem Hauptbahnhof in ihrer herbstlich gelben Pracht erleben. Doch gegen Ende Oktober zeigten sie sich immer noch in grün, keine Spur von gelb.
Na ja, dann schaute ich eine Weile nicht hin und schon war es beinahe zu spät. Und als ich kürzlich dort eintraf, erst nach 16.00 Uhr, auch schon recht düster zum fotografieren.
Vom Ginkgo erzählt man folgende Geschichte:
Als auf Hiroschima die Atombombe niederging und im Umfeld alles zerstör-te, waren darunter auch zwei Ginkgobäume, die einer Nadel gleich, schwarz verkohlt gegen den Himmel ragten.
Diese verkohlten Bäume trieben als einzige im nächsten Frühjahr neue Zwei-ge aus. Dies deutet auf die große Widerstandskraft des Ginkgo Biloba hin. Die zwei Bäume werden heute noch als Naturdenkmal bestaunt.
Mehr Interessantes über den Ginkgobaum HIER↓
Folgendes Gedicht hat Johann Wolfgang von Goethe für seine späte Liebe Marianne von Willemer geschrieben. Das Ginkgoblatt wird darin als Sinnbild für Liebe und Freundschaft beschrieben.
Ginkgo Biloba
Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin?
Johann Wolfgang von Goethe 1749 – 1832
Der Herbstbilder wegen verlinke ich den Beitrag in Katinkas Projekt „Schöne Momente im Herbst/Winter“ – HIER↓
Bildquelle Ginkgo-Gedicht Wikipedia public domain


8 Kommentare:
Wunderschöne Herbstbilder. Wie der urchige Wettermann sagen würde: "Es heimmelet mir".
Da schließe ich mich prompt an: "Mir heimelets au!" Wobei ich das noch ansehen muss!
Ginkgoblätter, die haben auf mich schon immer eine Faszination ausgeübt. Gingen wir spazieren und einer fand eines, dann nahm ich das mit, und es wurde gepresst und aufbewahrt. Es werden tatsächlich die "Ur"-Einwohner weitgehend vertrieben. Wer soll es auch bezahlen können?
Über die Mietpreise in diesen begehrten Städten, hier auch u. a. in München, könnte man ein Buch schreiben. Kaufen können ohnehin nur noch die Betuchten.
Das wunderschöne bunte Herbstlaub wird bald der Vergangenheit angehören, im Garten ist nur noch wenig, und das ist unter der Hecke für das Kleingetier untergebracht.
Bunte Häuser finde ich persönlich sehr erfrischend, aber die meisten mögen es weniger.
Reichhaltig war dein Post, ich muss verschnaufen!
Wünsch dir eine gute Woche und schick dir einen lieben Gruß, Brigitte
Hallo Elfe,
wunderschöne Herbstbilder. Ende Oktober spazierte ich mit meinem digitalen Photoapparat durch den benachbarten Bürgerpark. Da waren die Blätter noch grün. Im November hatte ich tagsüber leider keine Zeit für einen Spaziergang. Die Blätter waren schnell bunt und innerhalb weniger Tage fielen sie auch schon von den Bäumen. Ich konnte dieses Jahr nur gefallenes Laub im Innenhof photografieren.
Eine besinnliche Adventszeit wünscht
Holger
PS: der schwyzer Wetterprophet ist ja echt urig. Ich wünsch Euch viel Schnee in den Schweizer Alpen.
Hallo liebe Elfe,
wunderschön - der Herbst in seinen herrlichsten Farben!
Die Gingkobäume sind immer zu schön.
Dass mit den Mietzahlungen ist wirklich schlimm, da wird die Not ausnegutzt - und sie kommen damit durch, wirklich traurig.
Liebe Grüße
Katinka
Liebe Elfe,
so, so, da haben sich also viele meiner Art in die Schweiz verzogen. Na, wundern tut mich das nicht, denn es ist ja auch ein schönes Land, nicht nur für Ameisen.
Übrigens war gut, dass eine Übersetzung dabei stand, sonst hätte ich wohl kaum ein Wort verstanden.
Schnee ist hier noch nicht in Aussicht, dafür Sturm am Wochenende. Aber bei euch gibt es sicher bald davon, zumindest auf den Bergen.
Ich wünsch dir eine gemütliche Adventszeit und sende liebe Grüße,
die Waldameise Andrea :)
Liebe Elfe,
ganz wunderbare und farbenprächtige Bilder hast du hier wieder zusammengestellt .. und was du über den Gingko schreibst, ist sehr interessant!
den Herbstfarben trauere ich ja schon ein bisschen nach ;) aber es war wundervoll dieses Jahr und dafür bin ich dankbar.
Schön, daß du für Schnee und Kälte gerüstet bist :) dennoch hoff ich allerdings, daß uns solche Extreme wie letztes Jahr erspart bleiben ...ok, ich bin auch überhaupt kein Winter-Fan, weißt ja ;)
Heftig, was die Vermieter da treiben ..das ist doch unmenschlich und entsteht wirklich aus purer Raffgier ... schlimm. Und sicher trauen sich viele nicht, sich dagegen zu wehren ..
Ich wünsch dir ein schönes und gemütliches Adventswochenende und schicke dir ganz liebe Grüße :)
Ocean
@Alle
Herzlichen Dank für Eure freundlichen Kommentare. Die Waldameise hat Recht, heute ist es grau und stürmt. Kein Novembersturm, dafür ein Dezembersturm-;) Ich bin froh, ist es angenehm warm in meinem Zuhause.
Liebe Grüsse
Elfe
Hallo Elfe
Der "Gier-Virus" wirkt sich in Bremerhaven eher auf den Gebäudebestand aus, satt auf die Menschen, die darin wohnen könnten. das Überangebot leerstehender Wohnungen ruft seit mehreren Jahren die Spekulanten auf den Plan. Viele Eigentümer sind auf vermeintliche Schnäppchen hereingefallen, und haben sich mit den viel zu teuer erworbenen Häusern ruiniert. Wenn dann das Geld fehlt, die Gebäude instand zu halten, dann verwahrlosen die Gebäude und fallen am Ende dem Abrissbagger zum Opfer.
Gruß von der schneematschigen Nordsee-Küste,
juwi
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