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Donnerstag

Tierisches ~ Mein Lieblingssänger ist vermisst

Schon längere Zeit vermisse ich meinen Lieblingssänger, ein Amselmänn-chen, das sich immer wieder, vor allem morgens oder abends, auf die höchste Spitze einer nahen Tannenkrone niederliess. Von da, mit weitem Blick über die Stadt, trillerte es ganz selbstvergessen seine wunderbaren Lieder. Eine innige Zuhörerin war ihm gewiss, und manchmal wurde es auch wie ein Pop-star zum Fotoobjekt.

Na gut, im Juli geht die Brutzeit zu Ende und dadurch nimmt das Revierver-halten ab, die Vögel sind weniger aktiv. Doch ich erinnere mich nicht, dass deswegen letztes Jahr „meine“ Amsel ganz verschwunden war.


Ich verdächtigte eine Elster, die sich leider dieses Jahr hier im Revier ein-nistete, den Sänger als Frühstücksschmaus verspeist zu haben. Denn ich be-kam mit, dass sie sich an einer „meiner“ Tauben vergriff, ein Rest von Federn und Fleisch fand sich im Garten. Die Katzen, die ich erst als Täterinnen ver-mutete, waren es nicht, da bin ich mir ganz sicher.

Erfolgreich habe ich dann die gierige Elster verjagt. Sobald ich ihr für meine Ohren grässliches, Unheil verkündendes Gekreische höre, bin ich am Fenster, und mache ihr klar, sich anderswo ihr Frühstück oder Abendessen zu holen. Mit Erfolg, sie lässt sich nur noch selten hier blicken.


Doch das brachte mir meinen verehrten Sänger nicht wieder zurück *traurig-bin*. Nun habe ich übers Internet erfahren, dass ein tropisches Virus ein Amselsterben verursacht haben soll, dies in Süddeutschland. Doch auch in der Schweiz ist das Usutu-Virus aktiv gewesen, wie ich in einem Beitrag im Inter-net gelesen habe:

Das ursprünglich aus Afrika stammende Virus wurde demnach bereits 2010 erstmals in deutschen Stechmücken gefunden…
In anderen Ländern in Europa hat es in den vergangenen Jahren bereits ein Massensterben unter Amseln gegeben, so zum Beispiel ab 2001 in Österreich. Auch in Ungarn, der Schweiz und Italien soll das Virus Vogelpopulationen betroffen haben, so die Angaben der Forscher - HIER↓

Amsel vorm Fenster
Amsel auf dem höchsten Ast,
Unsres Fensters früher Gast,
Singst den hellen Morgen ein,
Sollst uns willkommen sein!

Flötest wieder frühlingsfrisch:
„Macht, ich bitt euch, reinen Tisch
Heut mit allem, was noch drückt –
Welt wird zur Lust geschmückt.

Himmel hat so warmes Blau,
Will euch taufen, Mann und Frau,
Hebt die Augen, Frau und Mann,
Schaut euch den Himmel an!“

Amsel auf dem höchsten Ast,
Was du helle Botschaft hast!
Lieber kleiner Tröster du,
Zwei hören gern dir zu!
Karl Henckell 1864-1929


Ja, ja auch ich höre dir gerne zu liebe Amsel, ich hoffe nun auf nächstes Jahr, denn es ist ganz seltsam ruhig hier. Na gut ein paar Spätzchen kommen mich hin und wieder im 3. Stock besuchen.

Die Schwalben sind längst weiter gezogen, vielleicht irgendwo aufs Land oder schon weiter in den Süden. Selbst von den Krähen lässt sich selten eine blicken, letztes Jahr waren sie morgens oft meine zuverlässigste Weckuhr mit ihrem Kuakuakua.

Na dann auf ein Wiedersehen und –hören irgendwann ihr luftigen Gesellen!