.... Wie das Wetter am Frühlingsanfang, so ist es den ganzen Sommer lang ....

Donnerstag, 22. September 2011

Tierisches ~ Mein Lieblingssänger ist vermisst

Schon längere Zeit vermisse ich meinen Lieblingssänger, ein Amselmänn-chen, das sich immer wieder, vor allem morgens oder abends, auf die höchste Spitze einer nahen Tannenkrone niederliess. Von da, mit weitem Blick über die Stadt, trillerte es ganz selbstvergessen seine wunderbaren Lieder. Eine innige Zuhörerin war ihm gewiss, und manchmal wurde es auch wie ein Pop-star zum Fotoobjekt.

Na gut, im Juli geht die Brutzeit zu Ende und dadurch nimmt das Revierver-halten ab, die Vögel sind weniger aktiv. Doch ich erinnere mich nicht, dass deswegen letztes Jahr „meine“ Amsel ganz verschwunden war.


Ich verdächtigte eine Elster, die sich leider dieses Jahr hier im Revier ein-nistete, den Sänger als Frühstücksschmaus verspeist zu haben. Denn ich be-kam mit, dass sie sich an einer „meiner“ Tauben vergriff, ein Rest von Federn und Fleisch fand sich im Garten. Die Katzen, die ich erst als Täterinnen ver-mutete, waren es nicht, da bin ich mir ganz sicher.

Erfolgreich habe ich dann die gierige Elster verjagt. Sobald ich ihr für meine Ohren grässliches, Unheil verkündendes Gekreische höre, bin ich am Fenster, und mache ihr klar, sich anderswo ihr Frühstück oder Abendessen zu holen. Mit Erfolg, sie lässt sich nur noch selten hier blicken.


Doch das brachte mir meinen verehrten Sänger nicht wieder zurück *traurig-bin*. Nun habe ich übers Internet erfahren, dass ein tropisches Virus ein Amselsterben verursacht haben soll, dies in Süddeutschland. Doch auch in der Schweiz ist das Usutu-Virus aktiv gewesen, wie ich in einem Beitrag im Inter-net gelesen habe:

Das ursprünglich aus Afrika stammende Virus wurde demnach bereits 2010 erstmals in deutschen Stechmücken gefunden…
In anderen Ländern in Europa hat es in den vergangenen Jahren bereits ein Massensterben unter Amseln gegeben, so zum Beispiel ab 2001 in Österreich. Auch in Ungarn, der Schweiz und Italien soll das Virus Vogelpopulationen betroffen haben, so die Angaben der Forscher - HIER↓

Amsel vorm Fenster
Amsel auf dem höchsten Ast,
Unsres Fensters früher Gast,
Singst den hellen Morgen ein,
Sollst uns willkommen sein!

Flötest wieder frühlingsfrisch:
„Macht, ich bitt euch, reinen Tisch
Heut mit allem, was noch drückt –
Welt wird zur Lust geschmückt.

Himmel hat so warmes Blau,
Will euch taufen, Mann und Frau,
Hebt die Augen, Frau und Mann,
Schaut euch den Himmel an!“

Amsel auf dem höchsten Ast,
Was du helle Botschaft hast!
Lieber kleiner Tröster du,
Zwei hören gern dir zu!
Karl Henckell 1864-1929


Ja, ja auch ich höre dir gerne zu liebe Amsel, ich hoffe nun auf nächstes Jahr, denn es ist ganz seltsam ruhig hier. Na gut ein paar Spätzchen kommen mich hin und wieder im 3. Stock besuchen.

Die Schwalben sind längst weiter gezogen, vielleicht irgendwo aufs Land oder schon weiter in den Süden. Selbst von den Krähen lässt sich selten eine blicken, letztes Jahr waren sie morgens oft meine zuverlässigste Weckuhr mit ihrem Kuakuakua.

Na dann auf ein Wiedersehen und –hören irgendwann ihr luftigen Gesellen!

7 Kommentare:

Herz-und-Leben hat gesagt…

Ach Du liebe Zeit! Deswegen wundere ich mich auch schon, daß ich hier so wenige Amseln zu Gesicht bekomme!

Da kann man einmal sehen - diese Mücken übertragen sicher auch an uns Menschen allerlei Viren - vieles ist noch gar nicht richtig erforscht! Es muß nicht längst immer Malaria sein ;-)

Schön ist das Gedicht! Wirklich schade, daß Dein kleiner Sänger nicht mehr da ist! Daran kann man sich gewöhnen.

Bin ja gespannt, welche Vögel in diesem Winter bei uns zu sehen sein werden.

Und zu den Ohrenkneifern - ja, ganz eindeutig vergreifen sie sich auch an Pflanzen. Ich habe dazu in den Kommentaren bei mir noch etwas geschrieben. Ich weiß es schon aus der Kindheit - bei meiner Großmutter standen sie nicht in so gutem Ruf, weil sie sich an ihren Dahlienknospen vergriffen.

Liebe Grüße
Sara

Ocean hat gesagt…

Liebe Elfe,

dass dein Lieblingssänger nun nicht mehr da ist, ist wirklich schade! den Gesang der Amseln hör ich auch sehr gern - und ich wußte gar nicht von diesem Virus, da muss ich doch gleich mal nachlesen. Es stimmt aber ..auch hier gibt es weniger Amseln, als früher! das ist traurig. Zu uns kommt ab und zu ein Rotschwänzchen in den Garten.

was es allerdings auch gibt bei uns: Elstern, ja - und relativ viele Katzen. Das begünstigt nicht gerade die Singvögel, sich in der Gegend niederzulassen - es gibt sehr wenige in unserem Wohngebiet.

Nachdenklich macht mich, daß solche Viren aus fernen Ländern sich über Mücken immer weiter auch bei uns ausbreiten. Mit dem Leishmaniose-Virus (Hunde) ist es ja ähnlich ..die Sandmücke, die ihn überträgt, gab es früher nur im Süden..aber sie scheint wohl auch immer weiter auf dem Vormarsch zu sein.

Das Gedicht gefällt mir sehr gut :)

Und hab Dank, dass du dir die Mühe gemacht und mir die Filmliste aufgeschrieben hast, denn da sind einige interessante Anregungen dabei ..die ich z. T. nicht kenne, oder schon lange nicht mehr gesehen habe (Der englische Patient, Gandhi, Das Geisterhaus ...) - schön :)

Viele liebe Grüße an dich :)

Ocean

Brigitte hat gesagt…

Von diesem Amsel-Virus habe ich auch gehört. Und tatsächlich auch in diesem Jahr sehr wenige Amseln gesehen. Ich vermisse sie auch. Deinem fleißigen Sänger könnte tatsächlich etwas zugestoßen sein (Elster?). Amselmännchen (das sind wohl die schwarzen) bleiben über den Winter ja hier.

Aber vielleicht kommt er doch wieder! Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben.

Lieben Gruß, Brigitte

Der Geestendorfer hat gesagt…

Es ist wirklich schlimm, wenn eine singende Amsel von einer bestialischen Elster ermordet wurde. C'est la vie, wie man in Frankreich sagt. Wichtig ist, das man sich an den lieblichen Gesang der gefiederten Freundin erinnert!

Moin, moin,
Holger

Katinka hat gesagt…

Hallo liebe Elfe,
wirklich schade, dass Deine Amsel nicht mehr da ist....man gewöhnt sich an solche Tierchen schnell - auch wenn es nur aus der Ferne ist.
Ich höre sie auch gern singen.

Von diesem Virus habe ich gar nicht gehört, da muss ich auch mal nachlesen.

Nach und nach verlassen uns die Vögel - freuen wir uns aufs nächste Jahr :-)

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Katinka

Waldameise hat gesagt…

Liebe Elfe,

ja, das ist so traurig. Mir ging es ähnlich, ich vermisste die lieblichen Abendgesänge. Dann fand ich in unserem Garten zweimal hinter einander tote Amseln und hatte schon Katzen oder Marder in Verdacht. Bis ich das von dem Virus las. Hoffentlich im nächsten Jahr alles wieder in Ordnung. Mich erschrecken solche Sachen sehr.

Das Gedicht ist so schön und deine Fotos dazu.

Ich schick dir einen lieben Sonntagsgruß,
die Waldameise :)

Elfe hat gesagt…

@Alle
Herzlichen Dank für Eure Kommentare.
Die letzten Tage hörte ich wieder mehr Vogelgezwitscher, vor allem die Meisen sind wieder hier und pfeifen beinahe wie im Frühling. Doch von der Amsel ist vorläufig noch nichts zu vernehmen.
Schöne Hebsttage und liebe Grüsse
Elfe