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Sonntag

Flüchtlinge - Nach der Katastrophe - Dem kleinen Kind den Frühling zeigen

Am Donnerstag in der Stadt kam es mir so vor, als ob ich mehr arabische Frauen mit Kopftuch wahrnehme. Auch im grossen Einkaufsgeschäft hatte ich diesen Eindruck. Eine Mutter zusammen mit einer Grossmutter und zwei klei-nen Kindern.

Die Grossmutter trug das jüngere der beiden Kinder, ein Knabe, auf ihren Armen. Der Kleine schaute mich mit grossen Augen an, ich lächelte und wink-te ihm leicht zu. Er lächelte erfreut zurück, nahm so Kontakt mit mir auf. Die Frauen waren im Gespräch, sie wirkten ernst.

In der Blumenabteilung dann eine ältere Frau mit Kopftuch, die ganz ergrif-fen all die bunten Blumen betrachtete, Freude ausstrahlend hin und her ging. Wir lächelten uns kurz zu wie zwei Verschwörerinnen, die das Wissen um die Kostbarkeit dieser vergänglichen Schätze teilen.

Auch ein alter Mann mit arabischer Kopfbedeckung und weitem Oberkleid, der sehr verloren wirkte und irgendwie nicht ins Stadtbild passte, kreuzte dieser Tage meinen Weg.

Sind das schon Flüchtlinge aus Libyen? Vielleicht solche, die hier Verwandte haben und noch rechtzeitig ausreisen konnten? Den kleinen Jungen habe ich dann zufällig nochmals getroffen und wir haben uns wieder zugelächelt, beinahe schon wie alte Bekannte *lächel*.

Dabei sinnierte ich, was doch in all diesen Kindern vorgehen muss, in Krieg und Katastrophen. Welcher Nation oder Rasse sie auch angehören, wenn sie so klein und noch unbeeinflusst sind von den Erwachsenen, welche Natür-lichkeit sie leben.

Ja, es geht weiter das Leben nach der Katastrophe
Für und mit diesen Kindern


Wenn wir als mitfühlende, empathische Menschen den Schmerz hautnah spüren, den so eine Katastrophe wie in Japan bei den Betroffenen auslöst, was sollen wir tun um nicht darin zu versinken? Wie uns weiterhin erfreuen an den Blumen, am Frühling?


In einem Blogbeitrag zitiert der Schreibende Thich Nhat Hanh, der als Vietnamese selbst grosses Leid miterlebte, damals im Vietnamkrieg und als Flüchtling. Dieser weise und gütige Zen-Lehrer empfiehlt den bei ihm Ratsuchenden:

…Das größte Geschenk, das wir an Japan richten können, ist ein achtsames und liebevolles Leben zu führen, so dass alle gestorbenen Menschen glück-lich in uns weiterleben können. Wenn wir wollen, können wir den verstorbe-nen Kindern den beginnenden Frühling zeigen:

"Sieh mal, liebes Kind: Hier blühen die ersten Krokusse. Sie blühen für dich." Und wenn wir draußen spazieren gehen, dann können wir leise flüstern, "ich spaziere nun für dich, lieber Bruder und liebe Schwester. Mein gelebtes Leben soll mein Geschenk an dich sein."…

den ganzen Beitrag lesen → HIER↓

Diese Zeilen haben mir sehr geholfen mein Herz dem Frühling wieder neu zu öffnen, ihm entgegenzulächeln.

In Gedanken den kleinen Kindern und all den Menschen, die so schnell und brutal aus ihrem Leben gerissen wurden all die wiederkehrenden Blümchen, die blühenden Sträucher zu zeigen, mit ihnen dem fröhlichen Vogelgezwit-scher zu lauschen und noch vieles mehr.

Ich versuche es, auch wenn es mir im Moment noch nicht so gut gelingt. Die Natur macht es vor, morgen beginnt wieder der Frühling im Natur- und Le-benszyklus.