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Montag

Stille im Park ~ Vergänglichkeit ~ Museum ~ Bhutan

Kürzlich an einem trüben Herbsttag spazierte ich in einem beinahe men-schenleeren Park. Zwei, drei Begegnungen mit ebensolchen Alleingängern. Eine junge Mutter hastete mit dem Kinderwagen im Schnellgang durch die Anlage, so als wollte sie Hals über Kopf der sprechenden Leere entfliehen.


Wechsel ist das Los des Lebens,
Und – es kommt ein andrer Tag.
Theodor Fontane


Fehlt die Sonne, wisse auch in der Kälte zu reifen.

Denn die Vergänglichkeit zeigte sich an diesem Tag an allen Ecken und En-den und erinnerte ungefragt an den Verfall. Ansehen, fliehen oder verdrän-gen? Jeder hat da seine eigene Methode damit umzugehen, ob bewusst oder unbewusst.



Was immer Du tun kannst oder erträumst zu können,
beginne es JETZT.
Johann Wolfgan von Goethe


Langsam und in Entdeckerlaune ging ich durch den Park, immer mal wieder ein Blick durch den Sucher der Digitalkamera werfend, Ausschau haltend nach einem herbstlichen Motiv. Diesen Park kenne ich nicht so gut, er gehört zum Umschwung eines Museums.




Spazierend erträumte ich mir, wie es da wohl im Sommer ausgesehen haben mag. In der Phantasie hörte ich fröhliches Kinderlachen, sah Menschen auf den Parkbänken lesend vielleicht, diskutierend, träumend…, dort ein Hund, der einem weit in die Wiese geworfenem Holzstück nachspringt, wild darauf, es zu schnappen und seinem Herrchen zu apportieren.




Dann aufwachend aus den Gedanken: Stille! Nur das Rauschen der Blätter und Baumäste, durchgeschüttelt vom kalten Herbstwind, war zu hören.
Ein Rabenschrei ab und zu. Wo sind sie alle hin?


Trotz wenig Licht einige Bilder gemacht. Ich entfloh der Düsternis und suchte Zuflucht in der Villa, die auf dem Parkhügel thront, Sicht auf die Stadt, den See, eine prächtige Wohnlage - damals.



Es gibt Tage, die versickern
unbemerkt in die Vergangenheit.
 


Vor über 150 Jahren hat sich ein deutsches Ehepaar, (Otto↓ und Mathilde Wesendonck↓) diese Idylle erschaffen, sie waren in jenen Tagen der Mittel-punkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt.

Auch Richard Wagner↓ wohnte einige Zeit auf dem „grünen Hügel“ und soll dort die Inspiration zur Oper Tristan und Isolde gefunden haben. (Mathilde Wesendonck und Richard Wagner waren unglücklich verliebt ineinander).




Lange ist es her – Vergänglichkeit!



Durch die grüne Türe des unterirdischen Neubaus des Museums trat ich ein in eine andere Welt – Bhutan↓, das Königreich im Himalaya begrüsste mich. Einen Nachmittag lang liess ich mich verzaubern von den wundervollen Kunst-werken der Ausstellung.



Buddhas und Bodhisattvas↓ in mannigfaltigen Erscheinungsformen entschlei-erten das Geheimnis ihrer Gestalten, mahnend „alles Zusammengesetzte muss zerfallen, wo ein Anfang ist, da ist ein Ende“. Ihre liebevollen und manchmal grimmigen Gesichter sollen uns die Aspekte in uns selbst aufzeigen, das uns innewohnende Licht und ebenso den Schatten in unserem Inneren.


Die Ausstellung Bhutan – Heilige Kunst aus dem Himalaya war über drei Mo-nate hier zu Gast, am 17. Oktober war der letzte Ausstellungstag. Diese Kunst-werke wurden erstmals einem grösseren Publikum präsentiert und waren nach Honolulu, San Francisco und Paris auch in Zürich zu sehen.

„Das kleine Königreich Bhutan liegt am Rande des Himalayas, gesäumt von den höchsten Bergen der Welt. In dem abgelegenen Land sind die alten Traditionen bis heute lebendig geblieben. Noch immer prägt der Buddhismus das kulturelle, politische und religiöse Leben. In mehr als 2000 Klöstern und Tempeln leben fast 6000 offiziell registrierte Mönche. Auch Kunst, Musik und Tanz stehen im Dienst der Religion. Selbst das politische System basiert auf den Maximen des Buddhismus.
Um die buddhistische Kultur dieses weitgehend unbekannten Landes zu zeigen, wurden 117 der schönsten Kunstwerke Bhutans in enger Zusammenarbeit mit bhutanischen Mönchen, Wissenschaftlern und Behörden ausgewählt. Die meisten waren noch nie im Ausland zu sehen. Sie stammen aus Klöstern und Tempeln, wo sie noch heute in religiösem Gebrauch stehen und als heilige Objekte verehrt werden.
Die strahlend goldenen Bronzefiguren und die in leuchtenden Mineralfarben gemalten Rollbilder zeigen Buddhas, Bodhisattvas, grosse Meister und andere Heilsfiguren des Buddhismus. Ihre Anmut und die starke Ausdruckskraft zeugen nicht nur vom grossen Können, sondern auch von der spirituellen Hingabe der Künstler. Dadurch, aber auch durch ihre Detailfreudigkeit und Lebendigkeit gewähren uns diese Kunstwerke einen grossartigen Einblick in das tief im Alltag verankerte religiöse Leben Bhutans“
(Quelle rietberg.ch)

Angefüllt mit all den Eindrücken, konnte ich mich nur schwer losreißen von der Ausstrahlung der Ausstellung, auch der Liebreiz der alten Villa mit ihrer Geschichte nahm mich gefangen. So setzte ich mich denn ins Museumscafé um bei einem köstlichen Capuccino langsam wieder in meiner Realität Fuß zu fassen.


Danke Bhutan ~ Danke Rietbergmuseum ~ Danke Familie Wesendonck

Wer mag hier noch Videos zum Königreich Bhutan.


Bruttonationalglück (Gross National Happiness)
statt Bruttonationaleinkommen hat sich Bhutan zum Ziel gesetzt


Nicht an die Güter hänge dein Herz,
Die das Leben vergänglich zieren,
Wer besitzt, der lerne verlieren,
Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz.
Friedrich Schiller