.

.

Samstag

Kalt ist es geworden…

…gerade mal 10 Grad zeigt das Thermometer am Küchenfenster heute um zehn Uhr morgens. Ein grauer und regnerischer Tag schaut in die noch ungeheizte Wohnung hinein. Eigentlich plante ich über etwas ganz anderes zu berichten, doch das Wetter hat mir diesen gedanklichen Entwurf ausradiert-;)

Bald habe ich den Roman „Tiefe“↓ von Henning Mankell fertig gelesen. Kein Krimi, nein, nein, ich bin doch ein NICHT-Krimi-Fan!

Zu Beginn langweilte mich die Geschichte und ich dachte mir, ach was, ein Fehlkauf. Handlungsspielraum Beginn 1. Weltkrieg, Stockholm und eine kleine unbewohnte schwedische Insel, die Hauptperson ein Meerestiefenvermesser, seine Arbeit, sein Umfeld: Ein trostloses Leben breitete sich vor meinem inneren Auge aus.


Ich hielt durch, denn immer mehr liess mich der Autor nicht nur in die Tiefe des Meeres blicken, sondern lotete die seelischen Abgründe des Vermessers aus.

Dieser bis anhin unbescholtene Ehemann und Staatsangestellte wird zum Mörder, erst an einer Katze, die ihm auf den Keks geht, dann an einem jungen Mann, der ihm unverhofft den Weg zu seiner Geliebten zu versperren droht. Ein Anschlag auf das Leben seines verhassten Schwiegervaters, der glücklicherweise überlebt…und Lügen über Lügen, die immer wieder neue nach sich ziehen.

Wie ist das möglich? Ich bin etwas geschockt über den plötzlich dramatischen Verlauf des Geschehens.


Wird er die Geliebte auch noch töten? Sie spürt, dass etwas nicht stimmig ist, stellt ihm unangenehme Fragen den Tod des jungen Mannes betreffend. Durch seine Redegewandtheit und seine immer besser entwickelte Fähigkeit zu lügen, lässt sich die junge Frau täuschen und bringt ihre Gefühle zum Schweigen.

„Du glaubst also, dass ich dir etwas erzählt habe, was nicht wahr ist? Glaubst du, ich würde so etwas wagen? Verstehst du nicht, dass ich eine Todesangst habe, dich zu verlieren?“
Zu seinem Erstaunen spürte er, dass es genau das war, wovor er Angst hatte.
Sie sah ihn lange an. Dann beschloss sie, ihm zu glauben.
Um Haaresbreite wäre der Deckel über dem Abgrund zerbrochen.

Wird sie sich noch aus der Verstrickung lösen können, hochschwanger und ganz alleine wie sie mit ihm auf der sonst unbewohnten Insel haust? *Schüttel*

Wie ich im Nachhinein feststellte, hat Mankell↓ schon in den ersten drei Seiten des Romans aufgezeigt, wie die Ehefrau des Vermessers endet, der Bezug zur Geschichte fehlte mir da noch. Er hat ihr tragisches Ende vorweg-genommen, er beschreibt sie am Anfang des Buches als Patientin einer Nervenheilanstalt.


Halt, Stopp! Fenster zu, fertig mit dem „in eine andere Welt hineinschauen“! Hach jetzt wird erst eingekauft, telefoniert, Haare gewaschen, gebügelt…

Glücklicherweise habe ich privat keine solchen Lügengebilde erlebt, im beruflichen Leben schon. Auch ich habe da meinen Gefühlen, meiner Intuition nicht glauben wollen. Ich spürte Dunkelheit und liess mich blenden vom Auftreten, der Sprachgewandtheit, zwar nur kurz, was dann ans Licht kam waren Lügen, Kokainsucht, Diebstähle…

Die Chefin, die den Kollegen eingestellt hatte, liess sich weiter täuschen, schlug alle Warnungen ihrer Mitarbeiter in den Wind. Auch die Ehefrau soll angeblich nichts von seinem Tun geahnt haben.


Manchmal haben Lügen lange Beine, und es dauert und dauert bis das Netz der Unwahrheit zerrissen wird. Doch eines Tages weicht die Dunkelheit und die Wahrheit strahlt im schönsten Licht.

Darum, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, vertraue deinen Gefühlen und dem gesunden Menschenverstand. Stelle klärende Fragen, bleibe nicht fraglos, auch wenn so schlaue Füchse elegant, redegewandt, gebildet und hochintellektuell daherkommen, lasse dich nicht kleinmachen, vertraue deiner Intuition!


*Zwinker* zu Ocean, wahrscheinlich werde ich nun doch noch einen Krimi von Henning Makell lesen. Dankeschön zu Paulina-Amalia für den Rat, zuerst einen seiner neueren Romane zu lesen.

Ein früherer Post über Henning Mankell ~ HIER↓ 

(Bildquelle Meer Wikipedia GNU)